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Spaziergang durch die Gedichtesammlung

Ein sehr schönes Gedicht wurde uns vor einiger Zeit vom Ortsbürgermeister übergeben.
Es muß so um Anfang 1900 entstanden sein und bringt sehr schön zum Ausdruck, warum es Soßmar überhaupt gibt, was die Menschen hier festhält und warum sie immer wieder gern hierher zurückkommen.
Der Verfasser Carl Kreye schrieb dies in dem hier zur damaligen Zeit verbreitetem Plattdeutsch (Calenberger Platt), sodass es für einige Begriffe keine 100%igen Übersetzungen gibt, dennoch haben wir drei des Plattdeutschen kundige, völlig unabhängig voneinander beauftragt und das zusammengefasste Ergebnis dieser Übersetzungen ins Hochdeutsche spricht für sich - trotz kleinerer Reimschwierigkeiten:

Mein Dorf

Ich weiß ein Dorf, das liegt ein bisschen in der Senke.
Da ist der Boden gut, so weit du sehen kannst[1].
Wo im kleinen Feld und auf dem Brinke[2]
der Fuchse mit den Hasen tanzt.
Roggen und Weizen tun hier gut wachsen[3],
wohl das beste in ganz Niedersachsen.
Zuckerrüben und auch andere Frucht
ist höchste Kultur und beste Zucht.
Ich bin ja durch viele Länder gelaufen
doch so eine Fruchtbarkeit nirgends wo anders angetroffen.
Hier muss fleißig gearbeitet werden
dann hilft auch der liebe Gott ganz gern.
Im Dorfe selbst, da gibt es viel zu sehn[4],
große Höfe und auch starke Eichen
und all die Häuser schlicht und traut
sind noch nach alter Art gebaut[5].
Die Felder[6], Gärten, Gassen und Strassen
War ne Lust für die Jungens zum spielen und jagen.
Das ist das Paradies für die Kinder,
auch für die Grossen Leute nicht minder.
Hier hab ich früher als Junge gespielt
Auch ab und zu in der Schule gefehlt.
Räuber und Schandarm war unser liebstes Spiel
Bockspringen und Inbottern[7] spielen wir auch gern und viel,
diese Spiele aus alter Zeit.
sind wohl älter als die ganze Christenheit.
Früher spielten die Alten, nun spielen die Jungen
ein uraltes Lied von vorn angefangen.
Und abends dann am trauten Herd.
War die Arbeit getan, und das Abendbrot verzehrt.
Unsere Großmutter hat uns Märchen erzählt
für uns Kinder so eine richtige gruslige Welt.
Lange ist es her und liegt zurück so weit,
doch gern denk ich an meine Kinderzeit[8].
Und gehst du aus dem Dorf heraus,
ich sage dir, hier sehen alle Dörfer gut aus.
Aber am besten ist es in Sossmar, das kannst Du mir glauben,
Doch wenn du nicht willst, dann läst du es bleiben.
Und geht in dieser Welt auch vieles schief,
wie gern bin ich in der Heimat, denn ich hab sie so lieb.

Carl Kreye
Vielen Dank an die Übersetzer Jörg-Michael Eggers (Grabau), Hildegard Donner (geb. Beinhold, Hameln/Afferde), Alfred Schremmer (Hannover).
  • [1] : spez. Ausdruck bezogen auf die Bodenfruchtbarkeit
  • [2] : Brinke / Geländegebiet Feldmark / Weide / mgl. auch Wiese
  • [3] : die Form „tut machen“ wird im plattdeutschen sehr oft benutzt
  • [4] : mglw. auch kucken
  • [5] : eoler Manaier / alte Manier ist eine Redewendung, mit der „gute alte Qualität“ gemeint ist
  • [6] : kleiner Wald hinter dem Hof
  • [7] : inbottern würde ich mit einbuttern übersetzen. Allerdings verbinde ich den Ausdruck eher mit dem Einseifen mit Schnee im Winter
  • [8] : wörtlich Kinderzeit, das Wort „Kindheit“ gibt es nicht


Hier natürlich noch einmal die Abschrift des Originaltextes - er wurde mehrfach von einem Papier (mglw. ursprünglich handgeschrieben) auf das nächste übertragen - uns lag eine Schreibmaschinenabschrift vor, welche wir nun hier endlich als echte Computerbits vorliegen haben:

Main Derp

Eck wait'n Derp, dat ligt saun betten inner Sinke,
da is dei Bod'n giut sau wait diu kaiken kannst[1].
Wo in lütjen Felle un eok up'n Brinke[2],
de Fösse mit'n Hasen danzt.
Roggen und Waid'n dat haier wassen[3],
woll de beste in ganz Niedersassen.
Zuckerröibe un eok annere Frucht
is höchste Kultiuer un beste Tucht.
Eck bin all dör veele Länder leopen,
doch saune Fruchtbarkeit neerns woanders annedreopen.
Haier mot fleidige arbait wern
densau helpet eok dai laiwe Gott ganz geern.
In Derpe sülm's da gift et veel tau kaiken[4],
greote Höwwe und eok starke Eiken.
Un all dai Huiser slicht und triut,
sind noch na eoler Manaier ebiut[5].
Dai Straten, Gatzen, Garn's und Hagen[6],
wat'ne Lust for de Jungens taun speeln un jagen.
Dat is dat Paradis for de Kinner,
eok for de greoten Lui nich minner.
Haier hew eck froier als Junge speelt,
eok aw un tau inner Schaule fählt.
Räuber un Schandarre was iuse ieiwerste Spehl,
Bocksprink un Inbottern[7] speeln we eok gern un veel.
Düsse Spele iut eoler Tait,
sind woll ölder as de ganze Christenheit.
Froier speln de Eoln niun spelt de Jungen,
en iuereolet Laid von forn anefungen.
Un abend's denn an triulichen Herd,
was de Arbait edan, un et Abendbreot verteert.
Iuse Großmutter hat üsch Märchen vertellt,
for üsch Kinder saune richtige griulige Welt.
Lange is et here un ligt terügge sau wait,
doch gern denke eck an maine Kindertait[8].
Un geiste iuten Derpe heriut,
eck segge deck, haier sind alle Derper giut.
Aber an besten is et in Sössmer, dat kanst diu meck gläuim,
doch went diu nicht wutt, denn lässt diut blaim.
Un gaht in düsser Welt eok velet scheif,
we gern bin eck inar' Haimat denn eck hewwese sau laiw.

Carl Kreye
Vielen Dank an Jessica C. Henker (Soßmar) für die Arbeit des Abtippens eines Textes aus einer "fremden Welt".


Haben Sie selbst Ihre dichterische Ader entdeckt / fangen sie an : in unserer Klönschnackecke...

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